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Besondere Begegnungen in Israel im Rahmen der Konferenz von „Christians for Israel International“

Vom 23. bis zum 30. März 2009 fand im Kibbutz Neve Ilan bei Jerusalem eine Konferenz des internationalen Dachverbands „Christians for Israel International“, von dem „Christen an der Seite Israels – Österreich“ einer der vielen Zweige ist, statt.
75 christliche Leiter aus 18 Ländern Europas, Amerikas, Asiens, Afrikas und Australiens waren gekommen um Israel zu segnen, Projekte kennen zu lernen, jüdische und christlich-arabische Leiter zu besuchen, sich über die aktuelle Situation zu informieren, ihre Liebe zu Israel in Wort und Tat auszudrücken, einander zu ermutigen, Erfahrungen auszutauschen und miteinander in Lobpreis und Gebet die Nähe des Herrn zu suchen und seinen Segen und seine Führung zu erbitten.
Gehaltvolle Workshops und Vorträge wurden aufgelockert durch interessante Exkursionen und Begegnungen.
Einen ausführlichen Bericht über diese Konferenz können Sie auf Seite 12 der beigelegten Zeitung „Israel Heute Israel aktuell“ lesen.

Tiefe Eindrücke hinterließen einzigartige persönliche Begegnungen bei einer Feier der „Helping Hands Coalition“ mit etwa 120 Holocaust-Überlebenden aus 70 verschiedenen Städten in Netanya, sowie bei einer abendlichen festlichen Veranstaltung zu Ehren von Holocaust-Überlebenden im Tagungshotel.
Ehrengast der abendlichen Veranstaltung war Izak Goldfinger, Überlebender von elf Konzentrationslagern. Izak wurde als 14- jähriger Junge aus Polen deportiert und war in den sechs Kriegsjahren in 11 Arbeits- und Konzentrationslagern. Am Ende des Krieges war er kaum mehr am Leben und die Befreier fanden seinen Körper in einem Massengrab – auf einem Berg von Leichen. Wie durch ein Wunder überlebte Izak . Wo fand er die Kraft um um sein Leben zu kämpfen? Im KZ Auschwitz/Birkenau bekam Izak Ziffern auf seinem Arm tätowiert, die zusammengezählt die Zahl 18 ergaben. Ein Rabbi erzählte ihm, dass die beiden Ziffern mit hebräischen Buchstaben übereinstimmten, die das Wort „chai“ (Leben) ergeben und dass er sich immer an dieses Wort erinnern sollte.
Trotz allem, was Itzhak erlitten hat, gibt es gegenüber denjenigen, die ihn gefoltert haben keine Bitterkeit in seinem Herzen und nach dem Krieg suchte er einige seiner ehemaligen Peiniger auf und vergab ihnen. Bis heute trägt er die Nummer auf seinem Arm, denn sie erinnert ihn daran, dass das Leben einzig und allein in Gottes Hand liegt.
Durch Itzhak, über dessen Leben eine Dokumentation mit dem Titel „Chai“ gedreht wurde, wurde bekannt, dass viele Überlebende in Israel unter dem Existenzminimum leben. Ungefähr 80.000 der heute noch lebenden 240.000 leiden bittere Armut und können sich keine Medikamente leisten. Einige leben in Sozialwohnungen deren Miete die Hälfte ihres Einkommens verschlingt. Hier versucht die „Helping Hands Coalition“ zu helfen und Kleidung, Lebensmittel und Medikamente zu besorgen.
Doch noch schlimmer als die materielle Not, sind bei vielen Einsamkeit und traumatische Spätfolgen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten viele Holocaust-Überlebende durch Europa. Auf der Suche nach weiteren Überlebenden sagte man als Gruß „amcha“. Erwiderte der andere in gleicher Weise, so wussten sie, dass beide zu den wenigen Juden gehörten, die den Holocaust in Europa überlebt hatten. Denn „amcha“ bedeutet in Hebräisch „dein Volk “. Jeder dritte war bei Kriegsende ein Kind. Ihnen allen ist gemeinsam, was sie als Überlebende nicht verdrängen können: Verfolgung, Deportation, Selektion, Hunger, Folter, Zwangsarbeit, „medizinische Versuche“ und fast immer die Ermordung von Angehörigen. Diese traumatischen Erfahrungen, die sie immer begleiten, gehören zur Gegenwart der meisten Überlebenden. 1987 wurde Amcha, das Nationale Israelische Zentrum zur psychosozialen Betreuung von Holocaust–Überlebenden und ihren Familien, gegründet – von Menschen, die selbst überlebt hatten und die bereit waren, jenen Überlebenden zu helfen, die die Folgen des Holocaust nicht verwinden können. Einer dieser Gründer, Dr. Nathan Durst, klinischer Psychologe und viele Jahre klinischer Direktor von Amcha, konnte uns bei der Begegnung Genaueres erzählen. Mit 8 Jahren war er mit seiner damals 17- jährigen Schwester von Berlin nach Holland geflohen. Die anderen vier Familienmitglieder wurden 1940 über Lodz nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Nathan und seine Schwester fanden1943 ein Versteck in Holland und überlebten dort die Nazizeit bis zum Kriegsende.1971 emigrierte er nach Israel. Heute reist Dr. Durst (79) als Vorstandsmitglied von Amcha durch Europa um ein Bewusstsein für diese Tragik zu schaffen und um Unterstützung zu bitten.
Ebenfalls als Kind mit seiner kleinen Schwester nach Holland geflohen war Israel Yaoz, 1928 in Gelsenkirchen geboren. Er kam zuerst zu einer Pflegefamilie, wurde aber nach Westerbork und später nach Bergen Belsen deportiert. 1948 kam er mit einem Boot mit 3000 Überlebenden als Freiwilliger (Machal) nach Israel und trat am ersten Tag schon der Artillerie bei um Israel u.a. in Beth Shemesh, im Sinai Krieg (1957) und im Sechs-Tage Krieg (1967) zu verteidigen.
Seit 1958 ist Israel Yaoz ein begehrter Fremdenführer in Israel und er führt bis heute (81-jährig) vorwiegend christliche Gruppen durch das Heilige Land.
Nach einem Besuch in Bergen Belsen schrieb Israel untenstehende Gedanken nieder, die wohl am Besten beschreiben, welche Schatten die Vergangenheit nach wie vor auf sein Leben, das Leben eines Überlebenden, wirft.

Am 26.10.07 fand eine feierliche Neueröffnung einer Gedenkstätte statt, an dem Ort, wo das K.Z. Bergen-Belsen war. Einige “Veteranen” wurden dazu eingeladen, darunter auch ich.
Jeder von uns wurde bei seiner Rückkunft mit der unvermeidlichen Frage: “Wie war es?” konfrontiert. Eine ähnliche Frage, die man einem Betroffenen eines Bombenattentats im Fernsehen zu fragen pflegt: “Was dachtest Du in diesem Moment?”
Nehmen wir den Fall eines jüdischen Besuchers in Israel: Insofern seine jüdische Identität in seinem Leben eine Rolle spielt, wird sein Weg ihn nach Jerusalem – und dort zur Klagemauer führen.
Es werden bei ihm Emotionen frei kommen, ein Gemisch von Gefühlen, Fragen über seinen eigenen Lebenswandel, Erinnerungen an seine Jugend, an Gebete, die sein Vater, sein Großvater, sein Urgroßvater drei Mal täglich zum Himmel gerichtet hatten, voller Heimweh nach Zion und Jerusalem, mit Bitten um den baldigen Wiederaufbau des Tempels.
Er wird sich die Frage stellen müssen: “Weshalb bin ich hierher gekommen? Doch nicht wegen dieser alten Steine, sondern wegen dem, was sie symbolisieren.”
Diese Quader sind Augenzeugen gewesen einer Zeit, die der Höhepunkt in der jüdischen Geschichte war: der prächtige Tempel, ein Volk frei im eigenen Lande; aber sie waren auch Augenzeugen von einem Tiefpunkt dieser Geschichte: die Zerstörung dieses Tempels, das Exil, die Verfolgungen mit dem Holocaust als Tiefpunkt.
Es werden Gedanken in seinem Haupt herumschwirren, so wie: “Warum stehe ich hier? Warum gerade ich? Stehe ich hier nur für mich oder auch für meine Familie, meine Eltern, meine Großeltern, für meine verschwundenen Mitschüler, meine Freunde, meine Schicksalsgenossen?
Hat es einen besonderen Wert, wenn ich gerade hier das Kaddisch bete? Sollte ich vielleicht ein Steinchen mitnehmen, nach Hause, als Antwort auf die zu erwartende Frage: “Wie war es dort”? Bringe ich eine Botschaft mit? Was suche ich hier eigentlich?”
Anscheinend bin ich zur Klagemauer Bergen-Belsen gezogen …. mit ähnlichen Überlegungen … auf der Suche. Und es bleibt ein Suchen, und es wird immer ein Suchen bleiben…
(Israel Yaoz)

Marie-Louise Weissenböck

Die DVD „Chai“, eine Doku über das Leben von Izak Goldfinger, ist über unser Vereinsbüro, Mühlbergstr. 44/9, 1140 Wien, gegen eine Spende erhältlich. Der Reinerlös (Spenden abzüglich der Versandkosten) kommt Holocaust-Überlebenden zugute.