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Reaktion zum Kairos Palästinenser Dokument
Pfarrer Henk Poot
Am 22.12.2009 wurde die niederländische Übersetzung dieses Dokuments mit dem Namen „Die Stunde der Wahrheit“ niederländischen Kirchenleitern im Dom von Utrecht präsentiert. Es wurde als ein „Schrei der Hoffnung, wo keine Hoffnung ist“ vorgestellt und zeigt beschuldigend auf Israel. Israel sei die Quelle des Leidens der palästinensischen Christen. Die „grausame“ israelische Besetzung solle als Sünde verstanden werden und sei die Ursache aller Leiden.
Pfr. Henk Poot, der Israel und die Autonomen Gebiete mehrmals im Jahr besucht und ein Kenner der Lage ist, schrieb eine Reaktion auf dieses Dokument. Darin beschreibt er die Situation in den palästinensischen Gebieten und kritisiert einige Punkte des Dokuments. Er betont, dass nicht alle palästinensischen Christen so denken wie die Verfasser von „Die Stunde der Wahrheit“. Es gibt auch palästinensische Christen, die zu Israel stehen.
1. Lage in den Palästinensergebieten
Gaza
Es gibt Leid unter der palästinensischen Bevölkerung. In Gaza hatte man es in der Vergangenheit abgesehen auf christliche Schulen, die des öfteren Opfer von Bombenanschlägen wurden. Im Jahre 2007 wurde der Inhaber der einzigen christlichen Buchhandlung ermordet. Die kleine christliche Minderheit lebt in Angst.
Samaria und Judäa
In Samaria machen Juden uns darauf aufmerksam, daß unsre christlichen Geschwister bedroht werden. Ab und zu werden Weinberge zerstört und Menschen eingeschüchtert. Im ehemals christlichen Bethlehem ist die Lage der Christen besonders schwer geworden.
Bethlehem
Daß in den vergangenen Jahren die Lage in Bethlehem nicht leicht ist, geht aus vielen Beispielen hervor. So werden Christen aus öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Es werden bei Anti-Israel-Demos Christen gewarnt, daß auch für sie der Tag der Abrechnung komme. Kirchenmitglieder werden umgebracht, Christinnen werden belästigt, manchmal sogar vergewaltigt. Während der Ersten Intifada übernehmen Terroristen das christliche Viertel Beit Jala um gerade von diesen Häusern aus das jüdische Viertel Gilo zu beschießen.
2002 wird die Geburtskirche besetzt, wonach eine mehrwöchige Geiselnahme von Christen erfolgt. Gegenüber der berühmtesten Kirche Bethlehems steht eine große Moschee, von deren Minarett mit lauter Stimme geschrien wird, daß Allah groß sei.
Unterdessen lief die Zahl der Christen in Christi Geburtsstadt bis zu 10% der Bevölkerung zurück und wer noch nicht fortgezogen ist, hat Angst. Wie gerne würden wir diese unterdrückten Geschwister erzählen lassen, was dort wirklich los ist. Aber leider ist es klar, welches Los sie erwarten würde, wenn sie dies täten.
Weihnachten als Propagandazweck
Nun ist uns bekannt, daß seit eh und je, wenn Bethlehem während der Weihnachtszeit vollauf im Mittelpunkt steht, das Fest als Propaganda für die palästinensische Sache herhalten muß. Arafat hat schon geschrien, daß Jesus ein Palästinenser gewesen sei. Die palästinensischen Theologen fügten noch hinzu, die Weihnachtsgeschichte werde erneut geschrieben, wobei diesmal die Juden selber die Stelle des Herodes und der Römer einnähmen. Hamas und PLO hätten dann die Rolle von Josef und Maria.
Diesmal aber liegt ein Dokument vor, ein theologisches Dokument, das die (christliche) Welt auffordert die von Gott bestimmte Zeit (kairos) zu beachten und in Aktion zu treten.
2. Kritische Bemerkungen zu "Stunde der Wahrheit"
Reaktionsbemerkungen
Nun steht im Dokument nicht viel Neues. Eigentlich ist es eine Wiederholung dessen, was man vonseiten des Weltkirchenrats schon so oft gehört hat. Wiederum steht im Dokument eine Riesenmenge Propaganda und Täuschung, vermischt mit der uralten Ersatztheologie. Nehmen wir mal einiges aus dem Dokument unter die Lupe:
1. 1948
Die Palästinenser wurden 1948 nicht zu einem Großteil als Folge des europäischen Judenhasses aus ihrem Land vertrieben, sondern als Folge eines Vernichtungskrieges, der durch eine Übermacht arabischer Länder entfacht wurde.
2. Palästinensische Anwesenheit
Seit eh und je palästinensische Anwesenheit im Lande? Von wegen! Tatsache ist, daß unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg unter der arabischen Bevölkerung in Palästina 28 verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Die meisten der heutigen Bewohner sind im vorigen Jahrhundert nach diesem Nahostgebiet ausgewandert und zwar aus naheliegenden Gründen: Friede, Wohlstand, Gesundheit. Eine Auswanderung, die sich bis ins Jahr 2000 fortgesetzt hat. Erst seit Ende der sechziger Jahre ist die Rede von einer palästinensischen Identität.
3. König der Juden
Gottes Weg mit Israel ist kein historisches Ereignis, das mit dem Kommen Christi ein Ende genommen hat. Ganz im Gegenteil: Christus kam als König der Juden um dieses Ereignis fortzusetzen und zu festigen bis zum Anbruch Seines Reiches. Das Heil ist zwar weltumfassend, zugleich aber bleibt die Wahrheit des Jesuswortes stehen: „Das Heil kommt von den Juden“.
4. Das Reich für Israel
Es ist falsch Jesus Seiner jüdischen Identität zu berauben und das Heil von der Wiedererrichtung des Reiches für Israel zu lösen. In den Tagen um die Geburt unsres Heilands redet der Engel Gabriel von Ihm als demjenigen der Sein Volk von ihren Sünden retten wird. Der Priester Zacharias aber singt von Israel, das befreit werden wird von all seinen Hassern und somit Gott ohne Furcht wird dienen können.
5. Jerusalem
Wenn man sagt, Jerusalem solle Hauptstadt zweier Nationen und dreier Religionen sein, so gibt es dazu keinerlei biblische Gründe.
6. Weltumfassend
Wenn palästinensische Theologen behaupten, das Heil sei weltumfassend, so tun sie dies mit dem Hintergedanken, daß es für Israel keinerlei Verbundenheit mit dem Land gebe und somit der palästinensische Anspruch auf das Land berechtigt sei.
7. Besetzung
Von einer Besetzung durch Israel ist überhaupt nicht die Rede. Völkerrechtlich, juristisch, historisch und biblisch-theologisch läßt sich dies nicht erhärten. Wie könnte ein Volk sein eigenes Land besetzen? Was die Resolutionen der Vereinten Nationen anbelangt, die in dieser Angelegenheit entscheidend wären: diese sind immer bilateral. Auch die palästinensische Verwaltung trägt darin ihre Verantwortung, indem sie endlich mal die Existenz des jüdischen Staates anerkennen sollte statt ihn zu bekämpfen und zu verteufeln.
8. Palästinensischer Terror
Der palästinensische Terror ist keine Reaktion zur israelischen Besetzung, wie im Dokument behauptet wird: Die Palästinensische Befreiungsorganisation wurde ausgerufen noch ehe Israel in Bethlehem Fuß gefaßt hatte und das Westufer des Jordan in den Besitz Israels kam. Ja, sogar vor der Ausrufung des Staates Israel wurde die jüdische Bevölkerung Hebrons niedergemetzelt und die Dörfer in Gush Etzion angegriffen und ausgemordet.
9. Boykott
Die palästinensisch-christlichen Anführer fordern mit lauter Stimme einen weltweiten Boykott Israels. Eigentlich wie gehabt: „Kauft nicht bei Juden“! Könnte es wirklich so weit kommen, daß die Kinder der Überlebenden des Nazi- und Sowjetterrors den Forderungen der Welt nachgeben würden?
Während Israel während des Gazakriegs dem Feind mit Essen, Trinken und Strom versah, rufen diese palästinensischen Kirchenfürsten (Verfasser des Dokuments) jeden dazu auf, die Bande mit Israel zu durchtrennen. Während derzeit 925.000 Kinder in Israel unter der Armutsgrenze leben und wir tagaus, tagein die Garküchen unterstützen, rufen diese Christen dazu auf Israel wirtschaftlich in die Enge zu treiben.
Sagt Gott nicht: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen“ (1. Mose 12)? Kommt diese Waffe, die Frauen und Kinder trifft, nicht letzten Endes auf ihren eigenen Kopf zurück? Natürlich nicht auf den Kopf der Kirchenfürsten, denn die tragen ja keinen Schaden davon. Die Leidtragenden sind schließlich die einfachen arabischen Einwohner Israels. Hunderttausende von ihnen finden ihre Arbeit in Betrieben Israels, von Tel Aviv bis nach Samaria und ins Jordantal.
Sieht so der Weg einer x-beliebigen Kirche aus: Boykott des Gottesvolks? Sieht so die Nachfolge Christi aus? Soll man als Kirche in den Niederlanden diesen Aufruf mit allen Fisimatenten in Empfang nehmen? Oder geschieht denn doch, was die Propheten schon gesagt haben: „Darum spricht Gott der HERR: Siehe, meine Knechte sollen essen, ihr aber sollt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürsten..... und nicht pflanzen, was ein anderer esse“ (Jesaja 65)?
Immer bleiben dann noch andere Fragen übrig wie beispielsweise: Warum heißt es heute für Bethlehem „Juden nicht erwünscht“, wo doch der Jude Jesus dort geboren ist? Und weshalb hat sich das palästinensische Volk nicht schon vor der angeblichen Besetzung, also zwischen 1948 und 1967, für die Gründung eines Palästinenserstaates eingesetzt? Damals waren Judäa und Samaria ja von Jordanien besetzt.
3. Palästinensische Christen für Israel
Repräsentativ?
Dann noch etwas: dieses Dokument wird überhaupt nicht von allen palästinensischen Christen getragen. Es wird getragen von palästinensischen Theologen, die am Gängelband der Hamas und der Palästinensischen Autonomie gehen, sich fürchten vor weiterer Aggression ihrer Unterdrücker und daher ihre Loyalität zu ihrem politischen Gedankengut mit allem Drum und Dran bekunden wollen.
Natürlich gibt´s schon eine authentische palästinensische Befreiungstheologie. Sie ist aber nicht maßgeblich. In linksorientierten niederländischen Kreisen sind diese Befreiungstheologen bekannter und beliebter als in ihren eigenen Kirchen.
Gebet für das jüdische Volk
Wir kennen andere palästinensische Christen. Wie gerne würden wir sie am Ersten Weihnachtsfeiertag in den Dom einladen. Christen die trotz allen Terrors vonseiten der Moslems Israel segnen und für das jüdische Volk beten.
Geschwister, die den Boden, auf dem sie wohnen, lieben und sich zu ihren Mitarabern loyal verhalten, zugleich aber Respekt haben vor Gottes Verheißungen und einen Blick haben für die einzigartige Position des jüdischen Volkes. Geschwister, die in Frieden mit Israel leben und nicht ein großes Maul aufreißen wegen irgendeiner brutalen Besetzung.
Die gemeinsam mit vielen anderen Palästinensern ein Leben unter israelischer Verwaltung viel mehr bevorzugen als ein Leben unter der Diktatur der Hamas oder der Korruption der PA. Christen, die Jesus nicht von Seinem Volk gelöst haben und Gott nicht leugnen als den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Keine Vergeistlichung
Christen die die Bibel nicht vergeistlichen oder im Sinne der palästinensischen Politik manipulieren, sondern Bescheid wissen um das kommende Reich, in dem die Erde von Jerusalem aus gesegnet werden wird. Christen, denen klar ist, was Gott tut, wo Er jetzt das jüdische Volk nach so vielem Leiden aus der Gefangenschaft zurückführt.
Die es als ein Vorrecht betrachten jenen Teil des Leibes Christi zu sein, der im Heiligen Land lebt und dessen Nächster das auserwählte Volk ist. Christen die jedem anklopfenden Juden die Türen ihrer Herberge weit öffnen.
Wie gerne würden wir sie vor der Front der Kirche und der niederländischen Gesellschaft reden lassen. Aber leider ist es klar, welches Los sie bei ihrer Rückkehr erwartet. Wir haben die Leute gekannt, die ermordet wurden, hinter einem Auto durch die Straßen Bethlehems hergeschleift. Wir fühlen uns immer noch dafür schuldig, daß wir sie so erkennbar gemacht haben.
Verständnis
Wir haben aber Verständnis für palästinensische Christen, die sich für einen anderen Weg entschieden haben. Wer von uns würde sie verurteilen, wo man doch unter solch einem Druck lebt? Nein, wir sind nicht einverstanden mit der palästinensischen Befreiungstheologie. Sie bedeutet eine illegitime Herrschaft über die Botschaft der Bibel. Wir verstehen aber, daß Menschen in ihrer Verzweiflung Wege suchen um die Vielfalt an Feindschaft zu bannen.
4. Aufruf an die niederländische Kirche
Eher möchten wir die Kirche der Niederlande darauf ansprechen diese palästinensischen Christen nicht zu bestärken, wenn sie Israel verteufeln und sich der Propaganda und den Lügen anschließen. Die Kirche sollte lieber segnend die Hände legen auf Israel und auf die palästinensischen Christen, die Israel lieben.
Sie sollte für Christen, die unter dem Moslemterror seufzen, in den Riß treten. So würde sie den Schrei der Verzweiflung mit einem wirklichen Zeugnis der Wahrheit und Hoffnung beantworten. Welch ein kairos wäre es, wenn die Kirche unseres Landes in der Weihnachtszeit rufen (nein, nicht schreien) würde, daß Jesus als König der Juden in Bethlehem geboren ist, daß Er auf ewig König über Jakob sein wird, daß wir als Gläubige aus den Nationen durch dieses Königtum Segen erhalten werden.
Segen
Wie würde die Kirche den Christen in Nahost helfen, wenn sie die Stimme aller dieser Geschwister, die Israel anerkennen und umarmen, nicht vernachlässigen sondern stärken würde. Aller jener Christen, nicht nur in Israel, nicht nur in Judäa und Samaria, sondern auch im Libanon, in Jordanien und Ägypten und natürlich nicht an letzter Stelle, in Bethlehem selber.
[Übersetzung: Heinz Volkert]
Das Kairos-Palästina-Dokument können Sie lesen unter
www.oikoumene.org