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Jan-ohne-Herz

Rotterdam. Stadt mit dem Denkmal Zadkines: Die zerstörte Stadt (1953), im Volksmund “Jan-ohne-Herz“ genannt. Bronzedenkmal eines Menschen, der in verzweifelt machtloser Geste die Arme zum Himmel emporhebt. Ein gähnendes Loch, wo einst ein klopfendes Herz war. Kein Stadtzentrum mehr: ausradiert im Zweiten Weltkrieg.
So ist eigentlich heute auch der Anblick Europas: herausgerissenes Herz. Aus den Niederlanden verschwanden mehr als 100.000 Juden. Herausgerissen, nie mehr zurückgekehrt. Aus ganz Europa Millionen herausgerissen. In Europa wurde ein Loch geschlagen. Die saftreiche Wurzel, Urquell jüdisch-christlicher Werte, geistliche Kraftquelle abendländischer Kultur größtenteils abgetrennt. Die Folge: ein geistliches Vakuum, das sich in zunehmendem Maße mit anderen “Anregungsquellen“ füllt.

Wie Paulus uns in Römer 11 lehrt, ist die Kirche eingepfropft in den Stamm des edlen Ölbaums und erhält ihre Nahrung durch den Saft der Wurzel. Wenn wir aber die Wurzel durchtrennen, verdorren die eingepfropften Zweige, die am Ende sterben. Schon früh in der Kirchengeschichte hat man die geistlichen Bande mit Israel und dem Judentum durchtrennt. Seitdem wurde jahraus, jahrein “Israel“ verhöhnt, verspottet, verleumdet, geschlagen, boykottiert, ausgeplündert, verprügelt, vergewaltigt, schließlich in wörtlichem Sinne ermordet.

Was ist in Europa überhaupt noch vom Christentum übrig, todsterbenskrank wie es ist? Da und dort glimmt noch irgendein Fünklein. Zum Glück sind noch nicht alle Juden verschwunden. Es muss aber nach meinem Empfinden in tief geistlichem Sinne einen Zusammenhang geben zwischen der Präsenz der Synagoge unter den Völkern und der Geisteskraft der Kirche, die das Evangelium des jüdischen Erlösers nach wie vor in der polytheistischen Heidenwelt verkünden darf, so dass es letzten Endes zur Anbetung des einen, wahrhaftigen, unsichtbaren Gottes kommt. Im Klartext: Hier geht es um die Anbetung des alleinigen Schöpfers des Himmels und der Erde, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, des Gottes Israels mit den Zehn Geboten als Lebensnorm.

Chronik der Judenverfolgung

Die Chronik der Judenverfolgung wird geprägt durch Leiden, das irgendwann in uralten Zeiten seinen Anfang genommen hat, dessen Ende aber leider noch nicht abzusehen ist. Wer das Buch “Exodus“ von Leon Uris gelesen hat, der weiß um den Antisemitismus, den es seit eh und je gegeben hat. Wer beispielsweise in einer Stadt wie – sagen wir – Amsterdam bekannt ist, der weiß, dass derzeit einem gläubigen Juden viel Mut abverlangt wird, wenn er sich in diesbezüglicher Kleidung auf die Straße begibt. Wer nach Ende des Zweiten Weltkriegs etwa geglaubt hat, dass alle Schrecken jetzt auf immer und ewig vorbei sind und nie mehr wiederkehren, der dürfte schon manchmal recht heftig wachgerüttelt worden sein.
Wenn wir uns hier aber mit der Chronik der Judenverfolgung befassen, möchten wir uns auf die Verfolgung während der Nazizeit beschränken. In Deutschland fing es am 30. Jänner 1933 an. Durch Hitlers Buch “Mein Kampf“ hätte man wissen können, welche Katastrophe über das Land hereinbrechen würde und zwar für alle Gegner im allgemeinen, besonders aber für die Juden. Als im März 1938 dann der erzwungene Anschluss Österreichs erfolgte, wusste man auch dort, was die Uhr geschlagen hat. Im September 1939 war der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: weitere Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Polen, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in der Sowjetunion auch dort und zwar in aller Grausamkeit. Inzwischen war 1940 Westeuropa von den deutschen Truppen besetzt worden, wo man eines Tages vielen Menschen begegnen konnte, die einen gelben Stern trugen, d.h. tragen mussten.
Der Hauptbefehlsleiter Dr. Schmidt erklärte in der niederländischen Stadt Den Haag in einer Rede, dass “die germanisch-deutsche Wiedergeburt erst dann vollendet sein wird, wenn keine jüdische Lehre, wie sie auch getarnt sein mag, in irgendwelcher Weise in das deutsche Volk einzudringen und ihm zu schaden vermag“. Welche Tarnung ist hier gemeint? Hören wir uns mal an, was Hitler dazu gesagt hat: „War nicht der ... Jude immer und überall ... der Todfeind der kommenden Ära? War er nicht Meister der verhassten Ratio, Verwalter jener selbstsicheren Wissenschaft, die das Leben zerstört statt es zu fördern? War nicht das ganze, verhasste Christentum, der Glaube an den Erlöser, die Moral, das Gewissen, der Begriff der Sünde auf das Judentum zurückzuführen ...?“ Im Klartext heißt dies: wenn der Jude, das Judentum, die verhasste Ratio, die Wissenschaft, das verhasste Christentum, die Moral, das Gewissen, der Begriff der Sünde und alles was der Bibel, der Gottesoffenbarung an Israel entstammt, verschwindet, so hält die Dämonie ihren Einzug. So war es damals, so ist es auch heute. Immer wieder lodert die Flamme des Antisemitismus hoch, eben auch in den Ländern Europas. Man sollte nicht vergessen, dass die Überlebenden aus Auschwitz in Polen keineswegs willkommen waren und es dort kurz nach Kriegsende wieder zu Pogromen kam. Unverständlich, aber leider Tatsache! Bei alledem ist der zunehmende Einfluss des Islam nicht gerade als positiv einzustufen.
Könnte da etwa ein Gottesgericht über Europa heraufziehen? Es wäre nicht auszuschließen, dass der Allerhöchste uns heute gewissermaßen sagt: “Das jüdische Volk, das Ich euch zum Segen gesandt habe, habt ihr verachtet! Ihr habt es verspottet, verkannt, bestohlen, verprügelt, vergewaltigt, hingemordet! Deshalb sage Ich meinem Volk: ‚Kehre heim in dein Land. Eure weltweite Mission ist fast zu Ende. Kommt heim ins Gelobte Land, nach Israel. Ich will euch vorbereiten, zubereiten auf die nächste Phase der Weltgeschichte’. Das Kommen meines Reiches, das Kommen des Königs dieses Reiches steht bevor. Und zu euch, ihr Völker, sende ich jetzt andere Fremdlinge, die einen anderen Gott haben. Mal sehen, wie euch das gefällt ...“

Das Heidentum meldet sich wieder. Der Name Gottes oder die jüdisch-christlichen Wurzeln Europas sollen in der Verfassung des neuen Europa unerwähnt bleiben. Der Mensch auf dem Thron! Eigentlich wie gehabt: Französische Revolution, Kommunistische Revolution, Nationalsozialismus. Das Gedankengut der Evolution brachte den Optimismus zu hohem Aufschwung. Nahezu alle Bereiche der Wissenschaft wurden unterwandert. Zwei Weltkriege bereiteten diesem Treiben aber ein jähes Ende. Die postchristliche Ära mit ihrem Postmodernismus und Nihilismus trat hervor. Nach der industriellen Revolution, der biologischen Revolution und der Informationstechnologie werden Wissenschaft und Technik zu neuen Göttern.
Der Mensch kann sich aber nicht an den Haaren aus dem Sumpf ziehen. Eine wahre Kultur kann es erst geben, wenn nach Gottes Geboten gelebt wird, wenn man sich ausrichtet nach dem ersten Gebot, das da lautet: “... Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst ...“ (Markus 12, 28-34). Das jüdische Volk, Träger der Gottesoffenbarung, spielt darin nach wie vor eine wesentliche Rolle. Wer Abraham segnet, der wird gesegnet. Wer Israel flucht, der wird verflucht.

Pfarrer Willem J.J. Glashouwer

[Übersetzung bezw. Überarbeitung: Heinz Volkert]