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Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts in Österreich

Seit 2005 wird der 27. Januar (der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Sowjetarmee) entsprechend einer einstimmig angenommenen Resolution der UNO- Vollversammlung als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts begangen.

Aus diesem Anlass lud der Informationsdienst der Vereinten Nationen (UNIS) Wien am Freitag, 25. Januar 2008, zu einer Gedenkveranstaltung im Vienna International Centre (VIC) ein.

Der Generalsekretär der Israelischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer sowie der israelische Botschafter, Dan Ashbel, betonten bei dieser Gelegenheit, dass die vor 60 Jahren von der UNO beschlossene „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ von der Völkergemeinschaft ernster als bisher genommen werden müsse.

Botschafter Ashbel erinnerte an den Schöpfer des Wortes „Völkermord“; den jüdischen polnischen Juristen Raphael Lemkin (1900 – 1958). 1943 habe Lemkin für den Gesetzesentwurf der polnischen Exilregierung zur Bestrafung der deutschen Verbrechen in Polen, aber auch weiterer Verbrechen, den Begriff „ludobojstwo“ (polnisch lud = Volk, und zabojstwo = Mord) geprägt und 1944 den Begriff mit „genocide“ ins Englische bzw. Lateinische übersetzt. 1947 sei dann durch Lemkin ein Resolutionsentwurf für die UNO zur Bestrafung von Völkermord angefertigt worden, der fast unverändert als Konvention 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit 55 : 0 Stimmen beschlossen worden sei.

Diese Konvention definiere „Völkermord“ wesentlich umfassender als mit der Tat eines groß angelegten Mordes, erklärte Ashbel. Es seien auch „das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen einer Gruppe, die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen, die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung, die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe“, usw. erfasst. Ashbel meinte, es sei „große Wachsamkeit“ notwendig. Jede Stimme, die heute nach Taten rufe, die in der Völkermorddefinition enthalten sei, müsse ernst genommen werden.

Generalsekretär Raimund Fastenbauer wies auf die Gefahr eines neuen Völkermords an den Juden, verursacht durch die iranische Staatsführung, hin. „Die atomare Aufrüstung des Iran, verbunden mit Drohungen und Holocaustrevisionismus, muss gestoppt werden“, betonte Fastenbauer. Es gäbe Parallelen zwischen der Ignoranz Europas gegenüber der Bedrohung der Zivilisation durch Hitler und den Drohungen seitens des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, Israel auszulöschen und einen neuen "globalen Holocaust" zu verursachen. Die Staatengemeinschaft solle die Warnzeichen, die Abhaltung von Holocaustleugner-Konferenzen und die Verbreitung von Vernichtungsdrohungen, beachten. Die Bedrohung richte sich nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die Nachbarn des Iran und ganz Europa, sagte Fastenbauer.

Prof. Rudolf Sarközi, der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma beim österreichischen Bundeskanzleramt, erinnerte an die Lage der Roma. Von 11,000 österreichischen Roma hätten nur 3,000 den Holocaust überlebt. Er forderte ein stärkeres Augenmerk der EU auf die Roma in den neuen Mitgliedsländern und in den Nicht-EU-Ländern von Ost- und Südeuropa. „Die Roma leben in katastrophaler Armut, in Ghettos“, sagte Sarközi.

Zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust konstatierte Außenministerin Ursula Plassnik ihrerseits, dass es für Europäer eine Selbstverständlichkeit geworden sei, in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und in Achtung der Menschenwürde zu leben. Zur „bittersten Erfahrung“ unserer Vergangenheit sei dieses neue Europa das positivste Gegenbild. Was als europäisches Friedensprojekt begonnen habe, müsse im 21. Jahrhundert zu einem weltweiten „Eckpfeiler des Friedens“ werden. „Wir wollen in Österreich, in Europa und in der Welt ein Zusammenleben, das von gegenseitiger Anerkennung, von Toleranz und Respekt geprägt ist“, forderte Plassnik.



M.-L.Weissenböck