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Gedenkzeichen „Für das Kind“

Wenn man jüdische Menschen kennen lernt, kommt es vor, dass man auf ihren Geburtsort zu sprechen kommt. Besonders hellhörig wird man, wenn dieser in einem damals von Nationalsozialisten beherrschten Land wie zum Beispiel Österreich liegt. Das berührt einen als Bürger oder wenigstens Einwohner dieses Landes, und man möchte mehr wissen.
Wie hat dieser Mensch, der da vor einem steht, die schreckliche Zeit des Holocaust überleben können? Wer waren die Menschen, die diesen Juden damals oft unter eigener Lebensgefahr geholfen haben? – Den man da kennen gelernt hat, der muss noch ein Kind gewesen sein, als die schrecklichste aller Verfolgungen für sein Volk einsetzte. –
Im Gespräch kommt einem unter Umständen ein Bild, eine Skulptur in Erinnerung, die man kürzlich gesehen hat und nicht recht wusste, was sie bedeutet. – Richtig, im Wiener Westbahnhof, in der Eingangshalle, steht seit wenigen Monaten das Bildnis eines einsamen Buben, der auf seinem Koffer sitzt und allem Anschein nach auf seine Eltern wartet. –
Aber als so normal und fast friedlich stellt sich die Geschichte nicht heraus, die bei Nachforschungen über Sinn und Zweck des Bildnisses zum Vorschein kommt. Die Eltern des Kindes sind nicht gerade damit beschäftigt, an einem der Schalter die benötigten Fahrkarten zu lösen, um dann mit dem dargestellten Buben gemeinsam zu verreisen. Das Kind wird Mutter und Vater niemals wieder sehen. Doch das weiß der Bub auf seinem Koffer noch nicht. –
In den Jahren 1938 und 1939, also noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde hilfsbereiten Menschen, jüdischen und christlichen klar, dass Schlimmes auf die Juden des Landes zukäme und man etwas tun müsse, um wenigstens die Hilflosesten, also die Kinder dieser Menschen zu bewahren. Eine Rettungsaktion wurde gestartet, an der sich Juden, Quäker und Christen vieler Konfessionen und weiterer Organisationen beteiligten. Ziel der Unternehmung war es, bedrohte, hauptsächlich jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen vor der Verfolgung durch das NS-Regime in Sicherheit zu bringen.
England war ein Land, in dem die Kinder zunächst Zuflucht finden konnten. Dort hin führten die „Kindertransporte“, mit denen man die Gefährdeten per Bahn aus ihren Heimatländern in Sicherheit brachte. Die Kinder wussten nicht, was ihnen bevorstand. Sie wussten vor allem nicht, was mit ihren Eltern geschehen würde, von denen sie getrennt in eine ungewisse Zukunft fuhren. Aber dieser mutigen Rettungsaktion ist es zu verdanken, dass sie die furchtbare NS-Zeit überlebten, während die meisten ihrer Familienangehörigen, die zurückgeblieben waren, ermordet wurden.
Der Ort, von wo die Kinder mit der Bahn zunächst nach Holland fuhren, war der Wiener Westbahnhof, auf dem jetzt zur Erinnerung an diese Rettungsaktion die Skulptur errichtet wurde.
Die aus Venezuela stammende und in London lebende Bildhauerin Flor Kent widmete ihre Skulptur „Für das Kind“ den so bewahrten Kindern und ihren tapferen Rettern. Die Skulptur stellt den auf seinem Koffer sitzenden Buben dar, wobei der Koffer für das einzige Gepäckstück steht, das die Kinder damals mitnehmen durften. Sam Morris, Urenkel eines durch den Kindertransport Geretteten, war das Vorbild der Bildhauerin für das dargestellte Kind. Er war gemeinsam mit seiner Urgroßmutter Sara Schreiber anwesend, als die Skulptur am 14. März dieses Jahres in Wien enthüllt wurde.
Die Skulptur wurde auf Initiative von Milli Segal (Agentur für Presse, Public Relations und Veranstaltungsorganisation) und der Künstlerin Flor Kent hin aufgestellt und dank Unterstützung der ÖBB-Holding AG und des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie ermöglicht.
Ein jüdisches Sprichwort sagt:
„Wer auch nur einen einzigen Menschen rettet, der rettet ein ganzes Volk!“

Christfried Battenberg
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