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“Alle Jahre wieder …“  feiern wir das Fest der Lichter …

“Wir“, das sind Juden und Christen, doch beider Fest ist nicht dasselbe. Wir entzünden Lichter, an beinahe denselben Kalendertagen, wenn die Tage kürzer sind und es draußen kühler geworden ist. Dann sieht man hinter den Fenstern von jüdischen und christlichen Familien Lichter brennen: Chanukka ist’s in jüdischen Häusern, Weihnachten bei den Christen.

Bevor wir uns das jüdische Chanukka etwas näher ansehen, sollten wir uns bewusst machen, dass unser Weihnachtsfest Teil des größten Geschenkes ist, welches das jüdische Volk der Welt gemacht hat, des Kommens Jeschuas (Jesus) in diese Welt. All das unsägliche Leid, das seit der Geburt des Gottessohnes und dessen Kreuzestod über das jüdische Volk hereingebrochen ist, hat damit zu tun, dass der von Gott gesandte Retter als Jude in diese Welt kam. Das war Gottes Wille, und auch, dass er am Kreuz für alle Menschen sterben sollte, nicht nur für die Juden. Es gab keinen anderen Weg zu unserer Rettung. Die Juden haben sich das nicht aussuchen können, sondern es war Gottes Ratschluss.
Alles, was mit unserem Heil zu tun hat, haben wir durch die Juden bekommen, die Kenntnis von Gott, die Heilige Schrift und Jesus (Jeschua), Gottes für uns geopferten Sohn.

Das jüdische Volk, wo immer es sich befindet, feiert in diesen Tagen ein noch viel älteres Fest, als es unser Weihnachten ist: Chanukka. In dessen Mittelpunkt steht der Chanukka-Leuchter, der an ein Geschehen vor mehr als 2000 Jahren erinnert. Im Jahre 164 vor Christus wurde der Tempel in Jerusalem neu eingeweiht, nachdem man ihn von der Schändung durch heidnische Truppen befreit und gereinigt hatte.
Zu einer richtigen Tempelweihe gehörte manches, so auch das beste Öl Israels aus Galiläa im Norden des Landes, gewonnen aus den dort gedeihenden besten Oliven. Zu damaliger Zeit musste der weite Weg von Jerusalem in die Olivenhaine des Nordens und wieder zurück zu Fuß bewältigt und das Öl auf dem Rücken von Lasteseln transportiert werden. Das war eine Mehrtagesreise, bei der man zudem noch “unter die Räuber“ fallen konnte, denn auch bei ihnen war die kostbare Handelsware sehr begehrt.
Weil das Licht der Öllampen im Tempel nicht ausgehen durfte, musste also immer genügend Öl vorrätig sein, welches zuvor noch von den Priestern geweiht wurde. Das war in friedlichen Zeiten nicht so schwer. Aber wenn Feinde im Lande waren und Kriegszustand herrschte, gab es Schwierigkeiten.

Wunder
Im Jahre 166 vor Christus hatten die Juden einen großen Sieg über die griechischen Truppen errungen, die zuvor den Tempel geschändet hatten. Danach musste dieser neu geweiht werden. Alles was man brauchte, war vorhanden. Als man aber das Öllicht anzündete, entdeckte man, dass zu wenig geweihtes Öl da war. Es war nur die für eine Füllung ausreichende Menge vorhanden, mit der das Licht lediglich einen einzigen Tag brennen konnte. Neues Öl war erst in frühestens acht Tagen zu bekommen. – Guter Rat war teuer! Jetzt konnte nur Gebet helfen. – Das Wunder geschah: Am Ende des Tages ging das Licht der Öllampe nicht aus, es brannte auch noch am nächsten und den darauf folgenden sechs Tagen – insgesamt acht Tage lang!
Zur Erinnerung daran feiern die Juden jährlich das Chanukka-Fest. Sie zünden am Chanukka-Leuchter jeden Tag eine weitere Kerze an, bis alle acht Lichter brennen. Die neunte Kerze, die sich in der Mitte befindet, ist der Lichtspender, von dem sie täglich die Flamme nehmen.
In diesem Jahr, wo sich das acht Tage dauernde Chanukka und das christliche Weihnachten kalendermäßig überschneiden, leuchten die Kerzen dieser “Lichterfeste“ wieder einmal für einige Tage gleichzeitig in den Fenstern von Juden und Christen, obwohl beide eine völlig unterschiedliche Geschichte haben.

Vergessen wir nicht, liebe Leser, dass uns viel mehr mit den Juden verbindet, als diese zeitliche Überschneidung zweier Feste. Bedenken wir doch, dass es den christlichen Glauben nicht gäbe, wäre nicht Jesus (Jeschua) im Volk der Juden geboren und dort von den Römern ans Kreuz geschlagen worden. Die Apostel gingen immer zuerst in die Synagoge, um ihren jüdischen Brüdern von ihm zu berichten. Erst als sie dort abgelehnt wurden, überschritten sie die Grenzen des jüdischen Landes und missionierten die Gojim (die Nichtjuden). Die ersten, die sich zu Jesus bekehrten, waren Juden, und mehrere Jahrhunderte bestanden christliche Gemeinden aus Juden und Nichtjuden. Juden (Hebräer) sind also “unsere älteren Brüder“ im Glauben.
Möge unser Herr uns vergeben, wie wir mit ihnen umgegangen sind.

Christfried Battenberg